Wo kommt das Nesselblatt her? (bevor jemand fragt)
Wenn man den Engernland-Brevet abfährt fällt einem auf, dass im nördlichen Bereich fast alle Gemeinden und Kreise das weiße Nesselblatt auf rotem Grund im Wappen tragen. Dieses ist aber doch der wesentliche Teil im Wappen des Startortes Großenwieden!!
Was soll das – können sich die Leute dort oben nicht ein eigenes Wappen ausdenken?!!!?
Nun, die Sache lässt sich erklären:
Großenwieden ist das Weserdorf am Fuße des Nesselbergs, eines strategisch günstigen Vorhügels des Weserbergkamms. Und weil dieser Nesselberg eine so hervorragende Aussichtsposition bot, kamen die Grafen von Schaumburg auf die Idee, dort oben ihren Stammsitz, die sog. Schaumburg, zu errichten. Großenwieden machten machten sie kurzerhand zu ihrer Hafenstelle. Die Weser hatte im Mittelalter eine wichtige Bedeutung als Handelsweg, zumal es damals noch keine verbrennungsmotorgetriebenen Lastkraftwagen gab. Bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren Bockschiffe auf dem Fluß unterwegs. Großenwieden gehörte zum Landkreis Grafschaft Schaumburg, welcher von der Weser bis zum Steinhuder Meer reichte. Die Vorsilbe des Namens Schaumburg hat übrigens überhaupt nichts mit luftblasendurchsetzter Flüssigkeit zu tun. Stattdessen dürfte sich der Name eher aus dem Verb ’schauen‘ entwickelt haben. Die Burg war wohl einst viel mächtiger, als sie heute als zugewachsene Ruine erscheint.
Der Ort Großenwieden, der inzwischen zum Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf abgewertet wurde, ist 1977 vom Landkreis Hameln-Pyrmont übernommen worden. Gewissermaßen hat Großenwieden vor fast fünfzig Jahren schon das baldige Schicksal Grönlands ereilt 😉
Aber nun weiter: Die offenbar recht tüchtigen Grafen von Schaumburg wurden in Personalunion gleichermaßen Grafen von Holstein und brachten ihr Nesselblatt-Emblem überall in Holstein ein. Es wurde sogar Teil des offiziellen Wappens des dortigen Bundeslandes, neben den für Schleswig stehenden Löwen. Auf unserem Brevet klappern wir sozusagen das Engernsachen-Gebiet Holstein ab, sagen kurz bei den Schleswiger Angeln Guten Tag und drehen dann wieder gen Hannoversch Münden ab.n
